Oder: Timo's Film-Blog, mit den Schwerpunkten asiatischer Film, Arthouse und amerikanisches Independentkino.

Donnerstag, Januar 29, 2009

2008: Year in Film


WALL-E


THE FALL


THE BRØKEN


RESCUE DAWN


RED ROAD


PARANOID PARK


ALL THE BOYS LOVE MANDY LANE


LET THE RIGHT ONE IN


LARS AND THE REAL GIRL


IM WINTER EIN JAHR


I'M NOT THERE


HALF NELSON


DOWNLOADING NANCY


CONTROL


CASHBACK


AN AMERICAN CRIME

Donnerstag, Januar 08, 2009

Kino: WENDY AND LUCY



Kelly Reichardt erzählt ihrem neusten Film von einer jungen Frau, Wendy, die mit ihrem Hund Lucy eine Reise nach Kanada antritt, um den schlechten Bedingungen und der hohen Arbeitslosigkeit ihrer Heimat den Rücken zuzukehren und neu anzufangen. Der Trip entpuppt sich dann aber doch als äußerst schwierig, als Wendy beim Ladendiebstahl erwischt wird und darauf hin ihr Hund abhanden kommt.

WENDY AND LUCY ist ein teilweise recht zynischer Abgesang auf den Kapitalismus und jene die in dessen Schatten hausen. In seiner kurzen und knackigen Spielzeit zerstört Reichardt's Film ein Stück weit den amerikanischen Traum des schnellen Aufstiegs und zeigt anhand von Wendy, dass auch denen die am härtesten dafür kämpfen nicht immer der gewünschte Aufstieg gewährt wird. Zu groß klafft die Wunde zwischen Mittelstand und Reich, zu schmal wird die Lücke zwischen dem normalen Arbeiter und der Armut. Dies geschieht in nahezu trostlosen Settings, die bis auf ein gepfiffenes Lied von Wendy, gänzlich ohne musikalische Untermalung auskommt. Einzig und allein der Klang der Güterzüge wird immer wieder als Motiv für das Fernweh genutzt.

Michelle Williams, die über weite Strecken ganz auf sich gestellt ist, meistert diese Situation mit Bravur. In Kelly Reichardt's Film gibt sie die bisher beste Performance ihrer Karriere ab, die stellenweise sogar Gänsehaut verursacht. In diesem tristen Roadmovie, indem sie meist gar kein Auto fährt, besticht sie vor allem durch ihre subtile Gestik und ihre mysteriöse Präsenz. Der Zuschauer erfährt nicht, wie ihr altes Leben war. Im Vordergrund steht - und dies strahlt Williams mit jeder Pore aus - die Sehnsucht nach Veränderung und Neubeginn.

Es gibt sie, diese kleinen perfekten Filme, nach deren Betrachtung man glaubt es müsse so einfach sein einen solchen Film zu schaffen. Nie kommt WENDY AND LUCY ins stocken. Er zieht gänzlich unverkrampft und mit einer enormen Leichtigkeit am Zuschauer vorbei. Fast scheint es, als säße man nicht im Kino, sondern würde diese Geschichte von einem Freund erzählt bekommen, was das Filmerlebnis noch intensiviert. Beide Daumen hoch. 9/10

Dienstag, Januar 06, 2009

Kino: NICK AND NORAH'S INFINITE PLAYLIST



Der erste Schein trügt. Mögen Bilder und Schriftzüge auch denen von JUNO ähneln, sie gehen in eine gänzlich andere Richtung. NICK AND NORAH’S INFINITE PLAYLIST ist in erster Linie ein Mischung aus Teeniekomödie und Jugendromanze. Die wenigen, die durch diese Tatsache nicht abgeschreckt werden, weil diese Filmgattung heutzutage nur noch aus Pipi- und Kakablödeleien besteht, sollten sich den Film ansehen. Sie werden es nicht bereuen. Peter Sollett’s neuer Film ist eine saukomische Mixtur aus MUSIC AND LYRICS und GO!, verpackt im entsprechenden High School Look. Er reflektiert ein neues Bild der New Yorker „rich kids“ und denen um Sie herum. So unverkrampft und zeitgemäß ist schon lange kein Film mehr mit Sexualität und der Liebe umgegangen.

Im Gegenzug merkt man aber dennoch, das sich NICK AND NORAH’S INFINITE PLAYLIST nur zu gerne von Mainstreamvarianten seines Stoffes ausgrenzen möchte. Das schafft er bis auf kleinere Ausbrüche auch wunderbar. Beispielsweise, wenn er über die volle Spielzeit eine Band hypt, die man am Ende doch nicht zu Gesicht bekommt. Und das zeigt uns dann wieder: Musik bedeutet für jeden etwas anderes. Und das ist auch gut so. Kurzum: kurzweilig, frisch, ungeniert und vor allem lustig. 7-8/10

Kino: THE CURIOUS CASE OF BENJAMIN BUTTON



Man durfte gespannt sein, was David Fincher aus diesem Stoff gezaubert hat, der sich irgendwie so gar nicht in die Filmographie des Meisters einreihen wollte. Aber falsch gedacht, denn auch Fincher schreckt nicht vor neuen Herausforderungen zurück. Auf den ersten Blick sieht das alles nach einen typischen Oscarfilm aus, einzig und allein für die Awardseason gedreht. Doch mit laufender Spielzeit wächst der Film – schließlich sogar über sich hinaus.

Zu allererst einmal finde ich es wahnsinnig toll das David Fincher sich voll und ganz auf die Geschichte von Benjamin und Daisy konzentriert und nicht versucht mit diversen Nebenplots aufzutrumpfen, mal den Krieg thematisiert oder sich an Nebenbuhlern aufhängt. Es geht einzig und allein um das Leben von Benjamin Button und die damit verbundene Romanze. Zugegeben, es dauert eine Weile bis sich THE CURIOUS CASE OF BENJAMIN BUTTON eingegroovt hat. Die erste Hälfte verläuft etwas schleppend, schließlich kommt es dann aber dennoch zu einem emotionalen Knockout: Als beide Hauptcharaktere mit der Vergänglichkeit des Anderen konfrontiert werden platzt der Knoten und der Zuschauer bekommt mit voller Dröhnung ein superbes, fantasievolles Drama mit einem guten Cast geboten, der mit dicker Schminkschicht fast noch beeindruckender wirkt als unverhüllt. Und genau das ist THE CURIOUS CASE OF BENJAMIN BUTTON, nicht der Burton den Burton nie gedreht hat, sondern ein hervorragendes Drama mit einem tollen Score und eindringlichen Bildern.

Eigentlich ist der neue Fincher viel zu arttypisch. Er wirkt in den ersten rund 40 Minuten auch eher wie ein öliger Schinken aus der Schmiede eines Ron Howards. Etwas zu lang, und schleppend erzählt. Vielleicht ist THE CURIOUS CASE OF BENJAMIN BUTTON das sogar bis zum besagten Bruch in der Mitte. Aber alles was danach kommt, jeder Millimeter Zelluloid, entschuldigt dies augenblicklich. Denn die Blume die daraus erblüht ist mit unter das Rührendste, was ich seit langer, langer Zeit sah. BENJAMIN BUTTON bricht einem das Herz zu Staub. 8-9/10

Montag, Januar 05, 2009

Next Reviews



Zum einen wird ein kurzes Review zum Oscaranwärter THE CURIOUS CASE OF BENJAMIN BUTTON von David Fincher geben, zum anderen schreibe ich etwas zum überraschend starken NICK AND NORAH'S INFINITE PLAYLIST mit Michael Cera. Man darf gespannt sein.

Sonntag, Januar 04, 2009

Kino: SLUMDOG MILLIONAIRE



Fast wirkt es hier, als würde sich Danny Boyle seinen "Kinderfilm" MILLIONS erneut vorknöpfen und ihn in eine neue Umgebung transferieren: Diesmal sind es jedoch keine zwei weiße Kinder, die wohl behütet in einer britischen Vorstadt aufwachsen und dann durch Zufall an die Millionen kommen. Hier geht es um indische Slum-Kids, die täglich ums nackte Überleben kämpfen. Hier geht es nicht um die Erfüllung materieller Wünsche, sonder um das Festhalten von Geborgenheit und Nähe - dem größten Schatz von allen. Umso lustiger auf welche Art und Weise Boyle deshalb die Handlung um die Show „Who wants to be a millionaire?“ nutzt und dieser westlichen Idee von Hoffnung und Glückseeligkeit neue Züge verleiht.

Am beachtlichsten ist eigentlich, wie Boyle es schafft Indien zu reflektieren. Stets sozialanalytisch, nie aber richtend. Er schafft es eine Brücke zwischen dem "alten" und dem "neuen" Indien zu schlagen, ohne dabei seine Figuren zu vernachlässigen oder zu vergessen, das auch im "neuen" noch das "alte" Indien existiert. Das sich die Slums, der Dreck und das Elend nicht aufgelöst haben, weil wir unseren Fokus auf eine neue, reiche Gesellschaft und die stetig wachsende Industrie verlagert haben. Da möchte man dem Film doch gar nicht erst ankreiden, zu oft das riesige Konstrukt in bester Bollywood-Manier durchscheinen zu lassen. Auch das gehört ja irgendwie in die Essenz mit hinein: Große Gefühle, das Märchen vom Aufsteiger aus der Unterschicht dem eine ganze Nation zujubelt und der skakespeare'sche Bruderkonflikt, der von allen Zutaten wahrscheinlich noch am plumpsten in Szene gesetzt wurde. Das Alles formt den vegetarischen Bollywoodschinken, in dem die meisten Gefühle vergleichsweise authentisch bleiben und in dem nur wehrend den Credits getanzt wird. Vielleicht hat Danny Boyle mit SLUMDOG MILLIONAIRE sogar eine neue Unterart des indischen Pop-Kinos geschaffen.

Wie auch schon bei MILLIONS, beweist Boyle, dass er ein goldenes Händchen besitzt wenn es um die Besetzung von Kinderrollen geht. Speziell die Darbietung von Ayush Mahesh Khedekar als junger Jamal gehört zu den eindrucksvollsten Leistungen die ich in letzter Zeit gesehen habe. Auch der Soundtrack integriert sich bestens in die starken Bilder, sodass spätestens mit M.I.A.'s "Paper Planes" der Funke überspringt. Alles in allem ist SLUMDOG MILLIONAIRE ein märchenhafter Diskurs mit allem was dazugehört. Kleinere Eingeständnisse des Drehbuchs zu Gunsten der Inszenierung verzeiht man deshalb weitestgehend. Gerne mehr davon. 8/10

Samstag, Januar 03, 2009

Coming Soon: SLUMDOG MILLIONAIRE