Oder: Timo's Film-Blog, mit den Schwerpunkten asiatischer Film, Arthouse und amerikanisches Independentkino.

Dienstag, November 27, 2007

Kino: LIONS FOR LAMBS


Ich weiß nicht so recht was ich mit LIONS FOR LAMBS anfangen soll. Was der Film erzählt geht in Ordnung, wird ambitioniert vorgetragen und schlägt teilweise clevere Haken. Aber die Mittel mit denen Robert Redford’s Film dies zu bewerkstelligen versucht, sind vernichtend. Was er versucht zu zeichnen, ist die Realität: Die gefährliche Passivität eines Jeden, der immer nach einer Änderung schreit, nicht jedoch dafür eintritt. (Schön auch das der Film nie verallgemeinert und somit auch vermeidlich ehrenhafte Entscheidungen töricht sein können) Grau in Grau skizziert er dieses Bild. Doch wie soll das funktionieren wenn er comichafte Charaktere verwendet? Die erfolgreiche Journalistin welche auf einmal mit Gewissensbissen kämpft, der Universitätsprofessor, der sich überengagiert mit den Zwischenmenschlichkeiten der Studenten beschäftigt… I think we’re not in Kansas anymore. Das alles sind Monumente des Groschenromans.

Rein darstellerisch bleibt der Film verhalten. Nicht weil die Akteure es nicht besser können, sie erhalten einfach nicht die Möglichkeit dazu. Ja, LIONS FOR LAMBS ist trockener Faktenaustausch. Bisweilen sogar interessant und die Dialoge oft scharf. Richtig unterhaltsam wird es, wenn der Film den mitteleuropäischen Blick auf Amerika benutzt um dem Land bzw. der Regierung den Spiegel vorzuhalten.

Relativ unbrauchbar erscheint hingegen der Score von Mark Isham. Man sollte doch meinen, dass in dieser nüchternen, radikalten Inszenierung kein Platz für Pathos und Co. wäre. Whatever, das theatralische Geklimper kostet wirklich jede Sekunde „Schicksalsschlag“ aus um den Zuschauer dahingehend zu manipulieren, Betroffenheit abzurufen. Ein wenig dick aufgetragen.

Was also bleibt unterm Strich? LIONS FOR LAMPS ist eigentlich eher Brainstorming als Spielfilm. Redford’s Kopfgeburt schießt mit interessanten Thesen und Blickpunkten um sich, schafft es meiner Meinung nach aber nicht diese auch zu etablieren. Insgesamt also eine kurzweilige Post-9/11 Diskussion mit teilweise doch leider sehr dürftigen Mitteln.

5-6/10

Donnerstag, November 15, 2007

DVD: EXTE - HAIR EXTENSIONS


Alptraum-Meister Sion Sono macht mit EXTE eine enorme Verbeugung vor dem Mainstreampublikum. Nur sehr selten bekommen wir es tatsächlich mit psychischem Stacheldraht zu tun, wie es noch in STRANGE CIRCUS, NORIKO'S DINNERTABLE oder SUICIDE CLUB der Fall war. Das macht EXTE jedoch nicht gleich zum schlechten Film: Neben den handgemachten Haarszenen - die wirklich außerordentlich beeindruckend und verstörend daher kommen - dominiert sein Film vor allem auf der Meta-Ebene. Sion Sono gelingt der Spagat zwischen Familientragödie und gesellschaftskritischem Horror-Thriller recht ordentlich, leider aber treibt das haarige Geschwür mit einer unerträglichen Engelsgeduld am Zuschauer vorbei. Eine massive Straffung hätte EXTE generell gut getan. Aber auch sonst ist Sion Sono's neuster Film immernoch sehenswerter als der Großteil seiner Nebenbuhler. EXTE ist eben in der Tat mehr DAWN OF THE DEAD als RINGU.
6/10

Samstag, November 03, 2007

Kino: ATONEMENT


Leider müss ich mich zu diesem enttäuschenden Fiasko eher bedeckt halten. Ja, Dior macht tolle Kleider. Doch selbst diese können nicht verheimlichen das Keira Knightly nicht das Talent besitzt, wofür sie nicht selten gelobt wird. Sie müht sich nach Kräften ab um graziel und elegant zu wirken, bezweckt aber schließlich eher das Gegenteil. Doch auch McAvoy kommt über eine solide Leistung nicht hinaus.

Die Erzählung ist schleppend und fad. Nicht selten ertappt man sich dabei wie der Blick aus dem Augenwinkel in Richtung Uhr zeigt. Solange ATONEMENT im Landhaus verweilt, wirkt das Spiel aller Beteiligten wenigstens noch focusiert. Mit dem Verlassen des Anwesens kündigt sich auch eine gewisse Unentschlossenheit an. Jetzt versucht Wright viel mehr zu erzählen als er im Stande ist. (Auch wenn die Kriegsszene am Strand zu den absoluten Highlights des Films gehört.) Das Ganze verläuft sich in den weiten Winkeln der altbackenen Erzählung. Erst mitten im letzten Drittel kommt man wieder auf den Punkt. "Ahja, genau, das wollte ich eigentlich erzählen." Und dort, wo Literatur und Film mit einander verschmelzen, ist ATONEMENT auch zum aller ersten Mal ehrlich zu sich selbst, aber auch zum Zuschauer. Er ist kitschig des Kitsches wegen, was nicht minder rührend ist.

So hätte ich mir das vorgestellt. So und nicht anders. Doch was Wright schließlich daraus gemacht hat, ist in vielerleih Hinsicht nur eines: Mittelmaß per excellence. (Bis auf die Musik, die ist in der Tat weltklasse!) ATONEMENT macht nicht gerade Lust darauf, sein STOLZ UND VORURTEIL-Remake nachzuholen. Denn trotz vieler Momente bleibt der Film eher anstrengend.
5/10