Oder: Timo's Film-Blog, mit den Schwerpunkten asiatischer Film, Arthouse und amerikanisches Independentkino.

Dienstag, Oktober 27, 2009

Kino: (500) DAYS OF SUMMER


Marc Webb's Spielfilmdebüt ist dieses Jahr der erste Film, der seine Zielgruppe verstanden hat und weiß wie sie tickt. Und deshalb verzichtet er auf das übliche Allerlei der Dramödien-Klischees. (500) DAYS OF SUMMER spielt viel lieber mit den Erwartungen, aber auch den Erfahrungen eines Jeden im Kinopublikum, der schon einmal bis hinter beide Ohren verliebt war oder vom Liebeskummer zerfressen wurde. In einen GARDEN STATE-würdigen Soundtrack gepackt, verzaubern Levitt und Deschanel ganz ohne Phrasendrescherei.

Liebe kann dir keiner versprechen. Keiner. Wann hat dir das letzte Mal ein so schöner Film auf solch unaufgeregte, erfrischende Art und Weise das Herz zum beben gebracht? Da verzeiht man kleinere Ausflüge in altbewährte Genremuster gerne, versteht sich (500) DAYS OF SUMMER doch eher als Update dieser Gattung. Unbedingt ansehen.


Wertung: 8,5 von 10


Dienstag, Oktober 06, 2009

Kino: JENNIFER'S BODY


"Hell is a teenage girl."
Mit diesen vielversprechenden Worten beginnt JENNIFER'S BODY, nach eigener Aussage eine Mischung aus Horrorkomödie, in der es vor allem aber um Sorgen und Nöte eines modernen Teenagers gehen soll. Diesen Spagat schafft der Film leider nur äußerst selten. Es gibt hier zwar wirklich überaus einfallsreiche Momente, leider versumpfen diese aber immer wieder im Einheitsbrei. Die Figuren sind nicht wirklich interessant. Sie sollen zwar den durchschnittlichen Jungmensch darstellen, verlieren sich aber in Stereotypen des Genres, die uns auf eine gewisse Art und Weise fremder nicht vorkommen könnten. Schade auch, weil die Prämisse, das Ganze in die 80s Schiene einzuordnen, in Verbindung mit dem tollen Soundtrack wirklich sympathisch rüberkommt. Selbst Megan Fox macht das Beste aus ihrem "Talent" und fügt sich gut in ihre Rolle ein, die aber leider nichts mit jugendlicher Sinneskrise sondern eher mit einer Art Youngster Elvira verglichen werden kann.

Alles in Allem ist JENNIFER'S BODY deshalb auch kein schlechter Film. Er ist nur eben auch nicht besonders gut. Diablo Cody findet (wie in JUNO) meiner Meinung nach wieder nicht den richtigen Ton für ihre Geschichte und präsentiert deshalb einfach: ... etwas anderes. Am ehesten bleibt noch der stellenweise recht zynische Humor hängen. Kann man sich anschauen, muss man aber nicht.

Wertung: 5-6/10

Mittwoch, September 23, 2009

Kino: ANTICHRIST


Die Regel der Frau ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Oder so. Dachte ja ab einem gewissen Punkt das Charlotte Roche das Drehbuch beigesteuert hätte. Teilweise unerträglich mit anzusehen in welche grandiosen Bilder Herr von Trier diesen unsäglichen Mist verpackt. Also was er da erzählt - oder zu erzählen versucht - wirkt auf mich wie klingonisch. Ich kann mich einfach nur von dieser inszenatorischen Raffinesse verwöhnen lassen und den Rest bei Seite schieben. Den Antichristen sucht man im Film vergebens. Man findet ihn jedoch hinter der Kamera. In den letzten Minuten hat der Film dann selbst die Hoffnung aufgegeben, einen der angefangenen Stränge oder Querverweise weiterzuspinnen. Vielleicht muss man sich das Hintergrundwissen erst erarbeiten. Die Frage ist: Will man das?

Wertung: 5,5/10

Freitag, September 04, 2009

FFF: HOME MOVIE


HOME MOVIE erzählt in einer recht kurzen Laufzeit die langatmige Geschichte von Familie Poe, die so ziemlich jeden feuchten Furz in ihrem Leben auf Video festhalten um die Nachwelt zu bereichern. Die Kinder sind hier eindeutig die Leidtragenden: Sie werden verarscht, gepiesackt, sollen Kunststücke vorführen... beinahe wie im Zoo. Da muss man quasi als Kind, in der prägendsten Phase seines Lebens stehend, die Nerven verlieren und anfangen Tiere als Ersatzdemütigung zu meucheln. Diese Perversion des Familienvoyeurismus führt HOME MOVIE in Perfektion an. Nach vierzig Minuten Spielzeit möchte man beide Elternteile eigenhändig erwürgen. Und spätestens mit der Einführung von kindergerechten Psychopharmaka und Teufelsaustreibungen im Spielzimmer erreicht HOME MOVIE dann einen Anspruch, der seinen eigenen folgenden Konsequenzen gerecht wird. Was folgt ist der klassische "Strike Back". So grausam diese Szenen auch eigentlich sind, irgendwie gönnt man den Sprösslingen diese Genugtuung. Und wie könnte HOME MOVIE seine Intention besser erfüllen? Fieser kleiner Film im angesagten Doku-Outfit.

Wertung: 6,5/10

FFF: SOMEONE'S KNOCKING AT THE DOOR


Ich muss ganz klar meine Fahne für Chad Ferrin's neusten Film hochhalten, gerade wenn so wenige zu schätzen wissen was er in SOMEONE'S KNOCKING AT THE DOOR auftischt. Im Grund genommen ist der Film allein schon wegen dem Soundtrack von The Mae Shi und der absolut großartigen Pretitel-Sequenz sein Eintrittsgeld wert. Aber als wäre das nicht schon genug, schafft Ferrin's Film es auch sonst noch eine extrem lässige und gute Figur abzugeben. SOMEONE'S KNOCKING AT THE DOOR tastet sich teilweise eher experimentell, teilweise mit inszenatorischer Selbstsicherheit an den Kern eines "schlechten Trips" heran und füllt die Geschichte mit unterschiedlichen Genrebausteinen. Zum einen ist es der klassische "Whodunit?"-Krimi, zum anderen ein 70er Paralleluniversum in bester Rape & Revenge Manier a la I SPIT ON YOUR GRAVE oder LAST HOUSE ON THE LEFT. Das alles verbaut Ferrin gekonnt zu einem wüsten Exzess, aus dem sich eigentlich nur noch eine bittere Konsequenz ergibt, auf die er dann am Ende auch aufspringt. Mindfuck nannte man dies in den 90ern. Roh und unberechenbar, Jungdarsteller in Spielwut. So muss das aussehen.

Wertung: 8,5/10